Zusammen spielen, zusammen reden – gemeinsam Zeit verbringen

 

«Myosotis»* (Arbeitstitel) ist ein innovatives, digitales Unterhaltungssystem, um die Kommunikation zwischen Betagten und ihren Angehörigen zu fördern. Persönliche Bilder und Töne aus dem Leben der betagten Menschen und ihrer Familien werden in einfache, aber attraktive digitale Spiele integriert. Die Spiele werden in enger Zusammenarbeit mit den Zielgruppen entwickelt und später für die breite Öffentlichkeit verfügbar gemacht. Ziel ist es, Angehörige und insbesondere auch Kinder zu motivieren, ihre betagten Mitmenschen öfters zu besuchen und mit ihnen Zeit zu verbringen.

Bettina_Dorle

Hemmschwellen abbauen

Beim Besuch in einer Seniorenwohnung oder einem Altersheim ist es nicht immer einfach, Zugang zu den hier lebenden Angehörigen zu finden. Man weiss nicht, wie man mit der ungewohnten Situation umgehen soll, ohne etwas falsch zu machen. Vielleicht bleibt man aus Hilflosigkeit auch lieber gleich zuhause und die betagten Familienmitglieder bleiben allein.

Myosotis will hier spielerisch Abhilfe schaffen: in kleine, einfache Computerspiele werden familieneigene Materialien wie Fotos, Musik oder Filmschnipsel integriert. So freut man sich beim gemeinsamen Spiel über plötzlich auftauchende Erinnerungen oder erfährt bisher Unbekanntes aus der Familiengeschichte.

Das Familienarchiv

Individuelle Inhalte können von Angehörigen über das Smartphone oder über eine Website laufend auf einen Familien-Account hochgeladen werden. So entsteht ein gemeinsames Familienarchiv. Aus diesem Archiv werden die Inhalte automatisch in die Spiele eingebettet. Die Struktur der Spiele bleibt sich dabei gleich, aber die hier gezeigten Fotos und die andern Materialen verändern sich; so bleibt das Spiel für alle Beteiligten interessant.

Das Projekt „Familienarchiv“ wird von der Age-Stiftung gefördert und ist aktuell in Arbeit.

Spiel als Kommunikationsmittel

Seit September 2015 haben Mitarbeitende und Studierende der Fachhochschule Nordwestschweiz verschiedene Computerspiele explizit für betagte Menschen und deren Angehörige entwickelt. Die Spiele sind so konzipiert, dass sie von bis zu vier Personen gemeinsam gespielt werden können. Das Gewinnen steht dabei nicht im Zentrum; das gemeinsame Spielen soll Spass machen und die Kommunikation zwischen den Spielenden fördern.

Bedienerfreundliche Hardware

Die Spiele laufen auf einem grossen Tablet­Computer. Hier können die grafischen Elemente so dargestellt werden, dass sie auch für ältere Personen gut sichtbar sind. Die berührungssensitive Oberfläche erlaubt es, intuitiv mit dem Programm zu interagieren.

Testphase mit erfreulichem Echo

Die Spiele wurden ab Herbst 2015 mit Bewohnerinnen und Bewohnern von verschiedenen Institutionen (Zentrum Schönberg, Bern (ZSB), Zentrum Süssbach, Brugg und Sanavita, Windisch) getestet. Dabei zeigte sich, dass kaum jemand Berührungsängste mit der Technologie hatte. Tablets werden nicht als „Computer“ wahrgenommen. Viele Testpersonen spielten konzentriert über längere Zeit und erzählten später noch von den Tests.

Bei den Tests wurden die Entwicklerinnen und Entwickler von erfahrenen Aktivierungstherapeutinnen begleitet. Auch diese zeigten sich überrascht, wie gut die neue Technologie aufgenommen wurde und wie positiv die Patientinnen und Patienten auf die Spiele reagierten.

Verbessern und Weiterentwickeln

Das grosse Interesse an Myosotis und die positiven Erfahrungen und Ergebnisse aus der ersten Phase ermutigen die beiden Projektverantwortlichen Bettina Wegenast und Marco Soldati das Projekt zu erweitern und zu professionalisieren. Zusammen mit Betroffenen und Fachleuten verschiedener Richtungen werden die Ideen in den kommenden Monaten weiterentwickelt und verfeinert, mit dem Ziel, ein für die breite Öffentlichkeit verfügbares Produkt zu entwickeln.